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Das Gestein Andesit

Aufgrund eines relativ zähflüssigen Magmas zeigen Andesit-Vulkane eher explosive Eruptionen. Im Magma sammeln sich Gase an und bauen dort hohen Druck auf, weil die hohe Viskosität und der hohe Umgebungsdruck ein Entweichen unmöglich macht. Erreicht das Magma die Erdoberfläche, überschreitet der Innendruck der Gase den Umgebungsdruck und es kommt wie beim Öffnen einer Sektflasche zum explosionsartigen Ausbreitung der Gase: Die Lava wird in Bruchstücken aus dem Krater geschleudert. Zu den bekanntesten Andesit-Vulkanen gehören die Hekla (Island), der Merapi (Indonesien) und der Stromboli (Italien).

Ordnet man alle weltweit vorkommenden Vulkangesteine nach ihrem Siliziumgehalt (man spricht auch chemisch nicht ganz richtig vom „Kieselsäuregehalt“), so bilden diese vereinfacht gesprochen eine Reihe von siliziumarmen bis hin zu siliziumreichen Gesteinen. Zu den siliziumarmen (auch: „basischen“) Vulkaniten gehören die Basalte, zu den siliziumreichen (auch: „sauren“) Vulkangesteinen die Rhyolithe. Die Andesite liegen in der Mitte zwischen diesen beiden Endpunkten und gehören somit zu den sogenannten intermediären Vulkaniten, für deren Genese es zwei mögliche Modelle gibt:

Einerseits entstehen intermediäre Gesteine durch die sogenannte magmatische Differentiation. Das bedeutet, dass die chemische Zusammensetzung des Magmas durch Kristallisation und Absetzen von Kristallen in Magmakammern verändert wird (fraktionierte Kristallisation). Die Quelle ist ein basaltisches Magma, das seinen Ursprung im Erdmantel hat. Dieses Magma dringt in die verdickte Kruste einer Vulkaninsel oder eines vulkanischen Gebirges ein und füllt dort eine Magmakammer. Mit beginnender langsamer Abkühlung kristallisieren in der Regel zuerst Minerale aus, die eine höhere Dichte aufweisen (Olivine, Pyroxene). Somit bildet sich am Boden der Magmakammer ein Bereich höherer Dichte, während das darüberstehende, spezifisch leichtere (andesitische) Magma leichter aufsteigen kann.

Das zweite Modell wird als Magmenmischung bezeichnet. Man kann sich hierbei das Zusammentreffen eines in einer Magmakammer befindlichen, bereits differenzierten, siliziumreichen („sauren“) Magmas  mit einer frischen („basischen“) Schmelze aus dem Erdmantel vorstellen. Die Mischung beider Magmen ergibt ein intermediäres Magma.

Die Geschichte des Magmas kann man beispielsweise an den kristallinen Einsprenglingen im Gestein ablesen. Diese weisen Zonierungen auf, die an Baumringe erinnern. Diese Zonierungen bilden Wechsel in der Zusammensetzung des Magmas ab. Das Vorkommen von großen Einsprenglingen ist typisch für Inselbögen-Vulkanite (porphyrisches Gefüge).

Die wesentlichen gesteinsbildenden Minerale der Andesite sind Feldspäte (Plagioklase), Pyroxene und Amphibole. Nebengemengteile sind Quarz, Olivin, Biotit und Magnetit. Andesit tritt in Form von Lavaströmen und -domen auf, als Gangfüllung und pyroklastische Ablagerung. Diese entsteht bei der explosiven Eruption und Zerkleinerung der Lava zu kleinen Bruchstücken und Asche.

 

Die Verwendung von Andesit

Der Andesit wird wegen verschiedener Eigenschaften seit der Antike bis heute verwendet. Er besitzt eine hohe Festigkeit und Zähigkeit bei außerordentlicher Witterungsresistenz und ist damit für viele Bereiche in der Bauindustrie geeignet. Als Werksteine wurden vor allem „schöne“ Andesite für Denkmäler, Statuen, Pflaster sowie Wand und Bodenbeläge in repräsentativen Gebäuden genutzt.

Zu den berühmtesten Dekorgesteinen der Antike zählen die beiden Andesitvarietäten „Porfido rosso antico“ (häufig als Dazit ausgebildet) und „Porfido verde antico“. Sie unterscheiden sich in der Farbe ihrer Grundmasse – rot bzw. grün. Beide Varianten des Andesits stammen aus dem Mittelmeerraum. Der Hauptabbauort für den blutroten „Porfido rosso antico“, den Stein der Kaiser und Könige, liegt in Ägypten, etwa 70 km westlich von Hurghada. Schon in der Pharaonenzeit wurden edle Statuetten, Gefäße und Denkmale daraus gefertigt. Der klassische „Porfido verde antico“, auch „Krokeeischer Stein“ genannt, stammt aus Krokees bei Sparta auf dem Peloponnes in Griechenland.

In vielen antiken Stätten, auch in zahlreichen bedeutenden Bauten des Mittelalters in Europa, finden wir den optisch auffälligen Andesit eingesetzt: im Mauerwerk, als Säulen oder Mosaiksteine in Fußböden und Wandverkleidungen.

Etliche Sarkophage für Könige und Kaiser sind aus „Porfido rosso antico“ gefertigt, wie z. B. jene für Friedrich II. (1194–1250) und Heinrich VI. (1165–1197) – beide sind noch heute in der Kathedrale von Palermo zu bewundern. In Mitteleuropa wurden schon in historischer Zeit einige Varietäten als Pflastersteine verwendet, beispielsweise der „Belgische Porphyr“ aus Brabant.

In der heutigen Zeit wird der Andesit fast ausschließlich zu Brechprodukten verarbeitet, wie beispielsweise Splitte, Edelsplitte, Wasserbausteine, Gleisschotter, Korngemische für Gleisbetten und Asphaltprodukte sowie Brechsande. Diese werden für unterschiedliche Anwendungen im Bauwesen benötigt. Dazu gehören die Beton- und die Asphaltindustrie sowie der Straßen-, der Wasser- und der Bahnwegebau.

 

Andesit-Gewinnung in Deutschland

In Deutschland sind derzeit 17 Andesit-Steinbrüche in Betrieb: im Saar-Nahe-Gebiet in Rheinland-Pfalz und im Saarland, in Sachsen-Anhalt im Flechtinger Höhenzug sowie in Thüringen bei Neustadt am Rennsteig. Die Gewinnung erfolgt durch Reihensprengungen. Große Hydraulikbagger laden die gesprengten Steine auf Muldenkipper, die sie zum Sturzbunker transportieren und dort in die Vorbrecheranlage abladen, in welcher Stückgut der gewünschten Größe gebrochen wird. Moderne Anlagen schaffen bis zu 500 t/h. In einer Nachbrecheranlage findet eine weitere Zerkleinerung zu Splitt und feineren Körnungen statt.


 

 

 

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