Das Gestein des Jahres wird jeweils von einem Expertengremium unter
Leitung des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler (BDG) ausgewählt, mit dem Ziel, Gesteine, die aufgrund Ihrer geologischen Entstehung und wirtschaftlichen Bedeutung bemerkenswert sind, in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
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22.04.2015 Tag der Erde
20.09.2015 Tag des Geotops 

2015: Ein Fall für Sherlock Holmes – der Gneis  
   

Augengneis (Oberwiesenthal)Ja, es wäre ein Fall für Sherlock Holmes zu ergründen, welchen Ursprungs der jeweilige Gneis ist, den er vor sich liegen hat. – Allerdings würde er sich die Zähne daran ausbeißen und müsste diese Aufgabe den Fachleuten, also den Geologen und Mineralogen, überlassen!
Bild: Augengneis (Oberwiesenthal)

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Lesen Sie hier demnächst  alles über Vorkommen des Gneis, seine Entstehung und Klassifizierung.

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Den Gneis erkennt man an seiner auffälligen Streifung aus Schichten von häufig dunklen plättchenförmigen Glimmermineralen, die sich mit hellen Lagen von Feldspäten und glasigen Quarzkristallen abwechseln. Diese Streifung kann geradlinig parallel oder auch wellig-gefaltet verlaufen. Eine derartige Parallelausrichtung entsteht, wenn sich Kristalle unter Druck senkrecht zur Druckrichtung ausrichten und weiterwachsen.

Neben den genannten Mineralen können auch Granate, Amphibole (Hornblenden) und andere Nebengemengteile auftreten. „Umfließen“ die feinkörnigen Minerale größere Mineraleinsprenglinge, spricht man auch von „Augengneis“.

Gesteine der Jahre

2014 Phonolith
2013:   Kaolin
2012:   Quarzit
2011:   Tuff
2010:   Kalkstein
2009:   Basalt
2008:   Sandstein
2007:   Granit

 

   

Gneise kann man unter den ältesten Gesteinen der Erde finden, wie z.B. die auf 3,8 Milliarden Jahre datierten Isua-Gneise aus Grönland oder den etwa 4 Milliarden Jahre alten Acasta-Gneis in Kanada. Gneise treten weltweit auf, in Deutschland häufig auch als eiszeitliches Geschiebe an norddeutschen Küsten oder im norddeutschen Tiefland.

Kontakt:

Dr. Werner Pälchen
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Dorthin wurden sie zusammen mit anderen Gesteinen durch die Gletscher und Schmelzflüsse der letzten Eiszeit aus Skandinavien verfrachtet. Als fest anstehendes Gestein trifft man ihn in Gebieten an, wo tiefe Gebirgsstockwerke durch Erosion freigelegt wurden, also in den bereits genannten alten Gebirgszonen in Kanada, Grönland oder Skandinavien, aber auch im Erzgebirge, im Schwarzwald, im Fichtelgebirge, im Oberpfälzer und im Bayerischen Wald sowie in den Alpen.

In Deutschland wurde der Gneis vor allem als gut spaltbarer und hochfester Bau- und Werkstein für Mauern und Gebäudefundamente geschätzt. So ist beispielsweise die Sankt-Annenkirche in Annaberg-Buchholz komplett aus Gneis erbaut. Heutzutage wird Gneis eher als Splitt und Schotter für Anwendungen im Hoch-, Tief- und Straßenbau aufbereitet. Weltweit – vor allem in  Skandinavien, Brasilien, Indien und den Alpenländern werden besonders schön texturierte oder farbige Gneise als Rohstoff für die Produktion von Naturstein-Platten abgebaut.
Bild: Sankt-Annenkirche

Wie aber entsteht Gneis? Es handelt sich um ein sogenanntes metamorphes Gestein, also um ein Gestein, das durch erhöhte Druck- und Temperaturbedingungen, sowie sehr lange Zeiträume wie sie  bei der Gebirgsbildung herrschen, aus verschiedenen Ursprungsgesteinen entstanden ist. Diese Ursprungsgesteine können Sedimente oder Verwandte des durch Schmelzprozesse gebildeten Granits sein. Die Geowissenschaftler, die die schon fast kriminalistische Aufgabe vor sich haben, diesen Ursprung zu identifizieren, müssen sich einzelne Minerale und das Gefüge des Gneises genau anschauen, um die Bildungsbedingungen und die Geschichte des Gneises zu ergründen.