Hintergrundwissen Diabas

Interssantes Gestein mit umstrittenem Namen: Diabas oder Dolerit

Spät kreiert und schon immer strittig: das ist der Name Diabas. Abraham Gottlob Werner  kannte ihn 1787 offenbar noch gar nicht, Bernhard von Cotta hat bereits 1855 auf den „geringen Unterschied zwischen Diabas und Dolerit“ hingewiesen und die Nomenklaturkommission der IUGS (Le Maitre 2002) empfiehlt schließlich die völlige Eliminierung dieses Namens zugunsten von Dolerit. Insbesondere in Mitteleuropa, wo die  Bezeichnung Diabas für alterierte, vor allem durch Umwandlung von Pyroxenen in  Amphibole und in Chlorit „vergrünte“ präpermische Basaltoide geprägt wurde, kommt man aber nur schwer von dem traditionellen Begriff los. In der Praxis der Steinbruchindustrie, aber selbst in der geowissenschaftlichen Fachliteratur ist die Bezeichnung nach wie vor gängig.

 Dolerite sind holokristalline, meist kleinkörnige Gesteine mit basaltischem Chemismus und entsprechendem Mineralbestand, die in der Regel als selbständige gangförmige oder als lagerartige Intrusivkörper in submarinen „bunten“ Sedimentkomplexen zusammen mit Tonschiefern und Karbonatgesteinen auftreten. In letzterem Falle sind sie durch die Reaktion mit dem Meerwasser typischerweise vergrünt und mithin eben „richtige“ Diabase. In submarinen Komplexen bilden sie sillartige Körper, oft Pillowlaven mit Mandelsteinstrukturen. Die Vergrünung ist auch eine Folge der schwachen namengebenden Metamorphose (Grünschieferfazies). Bei intensiverer Metamorphose, wie sie etwa die prävariszischen Schichtpakete betroffen hat, bilden sich aus Diabasen Amphibolite oder Eklogite. Diabase treten in Mitteleuropa hauptsächlich in devonischen bis unterkarbonischen Schichtfolgen auf.  Typische Verbreitungsgebiete sind das Rheinische Schiefergebirge, der Harz und das Thüringisch-Vogtländisch-Fränkische Schiefergebirge. Mit Diabasen und den mit ihnen assozierten Gesteinen (Spilite, Schalsteine) sind oft lagerartige Hämatitvererzungen vom sog. Lahn-Dill-Typ verbunden, die bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts wichtige Eisenerzlieferanten waren.

 Charakteristisch für  Diabase ist ein ophitisches oder intersertales Gefüge von miteinander verschränkten Plagioklasleisten mit primärem Augit, akzessorischem  Ilmenit, Titanit, seltener auch Olivin. Als Umwandlungsminerale treten Hornblende, Chlorit, Epidot und Kalzit auf. Verbreitungsgebiete von Diabasen in Wechselfolgen mit Tonschiefern, Karbonatgesteinen, Grauwacken und Phylliten sind meist durch kuppenförmige Landschaften charakterisiert. Schroffe Geländeformen treten nur in Flusseinschnitten auf. Auf Diabasen und anderen, mit ihnen assoziierten basischen Geosynklinalmagmatiten bilden sich in der Regel basenreiche Braunerden oder Pseudogley-Braunerden.

 Werner Pälchen (Halsbrücke)